Der Cellist Joel Blido – ein Digital Native auf dem Weg ins Musik-Geschäft

Gerade hat er beim TONALi-Wettbewerb einen Sonderpreis gewonnen, seit sechs Jahren arbeitet und konzertiert er regelmäßig mit dem internationalen Cello-Star David Geringas: Dem 19-jährigen Cellisten Joel Blido kann man keine Tändelei nachsagen. Neben seinem Cello-Studium an der Hochschule für Musik in Weimar bei Wolfgang Emanuel Schmidt komponiert der junge Mann aus Wertheim und tritt im In- und Ausland als Solist auf. Und er beschränkt sich bei weitem nicht auf klassische Musik. Mit Videos von eigenen Cello-Covern von Metal-Bands wie Ghost (zum neuesten Cover hier) oder Linkin Park spricht er Menschen an, die möglicherweise noch nie ein Cello live gehört haben. Und er schreibt Stücke für seine Band oder nimmt seinen eigenen Sound auf der E-Gitarre im Heimstudio auf.
Auch wenn es momentan noch nicht ums Geldverdienen geht, nutzt der Musiker schon wichtige Kanäle auf dem Weg in die Öffentlichkeit. Der eigene YouTube-Kanal und ein Instagram-Profil sind für den Digital Native selbstverständlich. Eine Hilfestellung für seine professionelle Zukunft hat er auch jüngst durch das umfassende Programm des Tonali-Wettbewerbs 2018 erfahren. Denn dieses vermittelt den Künstlern Strategien, ihre eigenen Stil und Nischen im Musikgeschäft zu finden.

Joel Blido hat vor kurzem seinen Bachelor abgeschlossen, im Oktober geht es weiter mit dem Masterstudium. EncorePlus hat ihn zwischendurch getroffen und nachgefragt, wie der Weg des jungen Musikers derzeit aussieht.

encorePlus: Joel, woran arbeitest Du momentan mit dem Cello?

Joel Blido: Im Moment entspanne ich mich etwas, hatte gerade einen stressigen Monat mit Wettbewerb und Bachelorabschluss. Danach wird das nächste größere Ziel der deutsche Musikwettbewerb im Februar nächstes Jahr sein. Ansonsten habe ich auch „nebenbei“ immer ein paar Kammermusikprojekte laufen.

Joel Blido, Foto: Ulrike Schumann
Joel Blido, Foto: Ulrike Schumann

 

Du bist 19, was ist bei Dir in den letzten 10 Jahren anders gelaufen als bei Freunden in Deinem Alter?

Bei mir war schon relativ früh klar, dass ich Musik machen möchte. Mit 10 Jahren habe ich an der Hochschule für Musik Würzburg mit dem Jungstudium angefangen und mit 15 dann nach der 10. Klasse die Schule verlassen und direkt mit dem Studium angefangen. Nun habe ich mit 19 schon den Bachelor, eben etwas früher als viele meiner Kollegen. Das wäre natürlich nicht möglich gewesen, wenn ich nicht schon als Kind viel geübt hätte. Statt mich jeden Nachmittag mit Freunden zu treffen, habe ich oft stattdessen Cello geübt. Es war schon ziemlich früh mehr als nur ein „Hobby“.

 

Du hast gerade beim renommierten TONALi-Wettbewerb in Hamburg mitgemacht, verbunden mit einem einzigartigen Förderprogramm für junge Musiker. Was war daran besonders?

Bei den meisten Wettbewerben läuft es halt so: Bewerben – hinfahren – rausfliegen – und tschüss. TONALi ist nicht nur ein Wettbewerb, sondern ein Projekt, was weit darüber hinausgeht. Ganz grob kann man sagen, dass das Ziel ist, klassische Musik vor allem der Jugend näherzubringen, und neue, modernere Konzertformate zu entwickeln. Wir haben in einem Workshop viel zu verschiedenen Themen wie Moderation, Kontakt zum Publikum, Programmgestaltung etc. gelernt. Jeder von uns hat eine Patenschule in Hamburg bekommen, bei denen wir ein eigenes Schulkonzert zusammen mit Schülermanagern gestaltet haben, und im Herbst kommen wir alle für das „Klassik in deinem Kiez-Festival“ dorthin zurück. Das ist eine wunderbare Sache, und ich bin froh, Teil dieser Gruppe zu sein, da in einer Live-Audition aus vielen Cellisten nur 12 ausgewählt wurden.

 

Dabei hast Du zwar nicht das Finale erreicht, immerhin aber den Weinberg-Sonderpreis (für herausragende Darbietung zeitgenössischer Musik) gewonnen. Wie bewertest Du das Ergebnis für Dich persönlich?

Natürlich war ich wie viele andere enttäuscht, dass ich nicht das Finale erreicht habe, aber so ist das nun mal bei Wettbewerben, damit muss man klarkommen. Bei Wettbewerben ist es immer ein bisschen Glücksspiel, ob man eine Jury erwischt, die den eigenen Stil gut findet. Musik ist ja etwas unglaublich Subjektives. Es ist nicht wie im Sport, wo man objektiv sagen kann, ob jemand schneller gerannt ist, als der andere. Anschließend hatten wir ja Gespräche mit den Jurymitgliedern, die haben untereinander auch ganz viele verschiedene Meinungen. Am Ende kommt aus dem Durchschnitt dann halt eine Entscheidung raus.
Natürlich freue ich mich trotzdem sehr über den Sonderpreis, da ich gerade für das Programm meiner ersten Runde viel zeitgenössische Musik ausgewählt hatte.

Joel Blido; Foto Ulrike Schumann
Joel Blido (mit 16 ) auf der Bühne; Foto Ulrike Schumann

Das Cello spielt bei Dir die Hauptrolle im beruflichen Leben. Nur auf der Klassik-Bühne?

Ich habe auch ein großes Interesse an nicht-klassischer Musik, genau genommen höre ich privat eigentlich fast keine Klassik, vielleicht weil ich „beruflich“ so viel damit zu tun habe. Mit dem Cello mache ich gerne Multi-Track-Arrangements von Rock- & Pop-Songs die ich mag. Die nehme ich dann bei mir zuhause im Heimstudio auf: Über die Jahre habe ich mir auch einiges über Musikproduktion selbst beigebracht. Die Arrangements sind alle auf YouTube, und ich überlege ob ich das Zeug vielleicht auch irgendwann mal „live“ spiele. Für Cello schreibe ich auch eigene Stücke im „klassischen“ Stil, die ich gerne ab und zu in meinen Konzerten spiele.

 

Gibt es noch ein anderes Instrument?

Ja, ich spiele auch schon seit vielen Jahren E-Gitarre und schreibe und produziere eigene Songs und Instrumentaltracks zuhause. Bisher ist das meiste davon unveröffentlicht, aber in der Richtung kommt bestimmt in Zukunft mehr. Vor kurzem habe ich außerdem mit einem Freund von mir, Santiago Canon Valencia, eine Band gegründet, „Artifact Vessel“, und wir haben gerade unseren ersten Song (hier zu hören bei YouTube) veröffentlicht. Das ist ganz lustig, weil er auch ein Cellist ist, der wie ich aber ebenfalls Gitarre spielt und viel andere Musik hört/macht. Jetzt sind wir also zwei Cellisten, die zusammen Musik machen, die nichts mit Cello zu tun hat.
Als klassischer Musiker spielt man ja die meiste Zeit nur Werke von anderen Komponisten. Natürlich versucht man der Sache seinen eigenen Stempel aufzudrücken, aber ich wollte irgendwann einfach etwas machen, dass sozusagen komplett von mir ist.

 

Geld verdienen als Solokünstler ist ein hartes Brot. Wird das Dein Weg sein oder gibt es einen anderen?

Natürlich wäre eine Solistenkarriere schön, aber darauf würde ich mich jetzt nicht festlegen, dafür ist das Leben einfach zu unvorhersehbar. Ich spiele sehr gerne und viel Kammermusik und könnte mir auch das Unterrichten gut vorstellen. Ganz „egoistisch“ ausgedrückt, würde ich mir einfach einen Weg wünschen, in dem meine eigenen künstlerischen Interessen nicht zu kurz kommen.

 

Joel Blido auf der BühneHast Du einen Plan, wie Du zu Auftritten bekommst? Wie sieht der aus?

Ich bin ja noch relativ jung, dementsprechend ist bei mir bisher alles über eigenes Marketing, Kontakte und Bekanntschaften gelaufen. Natürlich wäre es vorteilhaft, irgendwann eine Agentur zu haben. Die nächsten Jahre werde ich viele Wettbewerbe spielen, dadurch werden Leute auf einen aufmerksam und es ist ein Weg, Kontakte in dieser Richtung zu knüpfen.

 

Wenn Du einen Wunsch frei hättest, was die Vermarktung Deiner selbst für Deine Karriere aussieht, was wäre der?

Da ich viel mache, was über die strenge künstlerische Tätigkeit eines „traditionellen“ klassischen Musikers hinausgeht, wäre es natürlich wünschenswert, dass auch die Vermarktung diese individuelle Seite unterstützt.

Was siehst Du in der Zukunft für Dich – was machst Du in 10 Jahren?

Die Zukunft ist in vielerlei Hinsicht ungewiss, alles kann passieren… Aber ich denke, dass ich auch in 10 Jahren sicher noch Musik machen werde – wo und in welcher Form auch immer.

 

Mehr sehen und hörenJoel Blido mit Orchester von Joel Blido? Hier ein Konzertmitschnitt  –  A. Dvoraks Cellokonzert in Tirana/Albanien mit dem RTSH-Orchester:

 

 

One thought to “Interview mit Joel Blido”

Comments are closed.